Sonntag, 13. Januar 2013

Wie gründet man eine Bürgerinitiative?

Wenn ihr betroffen seid, dürft ihr als Bürger initiativ werden – ihr dürft eine Bürgerinitiative gründen. Macht von diesem Recht Gebrauch!

Lasst euch weder von Politikern, Verwaltungsleuten oder sonst jemand etwas anderes erzählen!

Manche Politiker bestreiten die Existenzberechtigung von Bürgerinitiativen, weil Bürgerinitiativen ihnen lästig sind oder weil sie die Politik für sich pachten wollen.

Auf das Grundgesetz können sie sich dabei nicht berufen. Art. 21 des Grundgesetzes der BRD lautet: «Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit.» Das besagt, dass auch jeder nicht in einer Partei organisierte Bürger politische Willensbildung betreiben kann, und nichts anderes ist eine Bürgerinitiative.

Viele Bürger denken, eine Bürgerinitiative zu gründen sei schwer. Das stimmt nicht. Eine Fülle von Initiativen zu vielen Themen ist der Beweis dafür. Eigentlich kann es jeder.

Wie geht das ?
Hier folgend:
Aufruf zur Gründungsversammlung
Flugblätter, Unterstützung sammeln
Medienaufmerksamkeit, Netzwerk bilden

1. Gründungsversammlung:
1. Schritt: Ein Bewohner geht zu 2 oder 3 Freunden oder Nachbarn. Sie besprechen sich: Alle möchten die Bäume erhalten oder alle möchten den Ausbau der neuen Straße verhindern.... Diese drei sind der Vorbereitungsgruppe und
2. Schritt: rufen zur Gründungsversammlung der Bürgerinitiative auf.
3. Schritt: Wir organisieren die Gründungs – versammlung der Bürgerinitiative. Einer geht zu einem öffentlichen Lokal und vereinbart mit dem Wirt: Am Mittwochabend könnten wir einen mittelgroßen Raum bekommen. (Lieber einen kleineren Raum, der voll ist, als einen großen, der leer ist.) Die meisten Räume kriegt man umsonst. Der Wirt verdient am Getränkeverzehr.

Die Gründungsversammlung nicht auf einen spannenden Fernsehtermin (Länderspiel, Krimi) legen ! Günstige Tage sind: Dienstag und Donnerstag. Auch an lokale V eranstaltungen denken.

4. Schritt: Der Gründungsausschuss unterhält sich locker darüber, was in das Flugblatt rein soll, das zur Gründungsversammlung einlädt. 
Jeder schreibt ein bisschen mit. Dann bestimmt der Ausschuss einen, der aus den Notizen von Allen den Entwurf macht.

5. Schritt: Regeln für das Flugblatt:
5.l.) Zur V erfügung stehen 2 Seiten (Vorder-u.Rückseite). Es ist nützlich, beide Seiten zu verwenden.
5. 2.) An den Anfang gehört das Ziel, z.B. "Wir lassen unser Stadtviertel nicht von Spekulanten zerstören.“ Oder „wir möchten unsere Bäume erhalten“ - also eine aussagekräftige Überschrift.
5. 3.) An den Schluss gehört ein konkreter Handlungsaufruf: „Wir wehren uns.“, „Wir gründen eine Bürgerinitiative.“ „Wir laden die V erantwortlichen ein!“ Und ganz wichtig: Ihr müsst einen Treffpunkt ausmachen, damit andere, die sich anschließen wollen, euch treffen können. „Wir treffen uns am Dienstag, 16. April um 20 Uhr im Saal der Gaststätte Kluth.“, „Bringt eure Freunde und Nachbarn mit!“
5.4.) Ins Flugblatt gehören weiterhin:
      5.4.l.) Was ist passiert?
      5.4.2.) Wo ist es passiert?
      5.4.3.) Wer macht es? (Allgemein reicht...)
      5.4.4.) Knappe Darstellung der Ursachen (keine Philosophie!) z.B. "Banken und V ersicherungen eignen sich das Stadtviertel an. Sie wollen ihr Geld gewinnträchtig anlegen - auf unsere Kosten".
     5.4.5.) Darstellung der Folgen, z. B. Hunderte von Mietern verlieren günstige Wohnungen:
- Sie werden in ungeliebte Hochhäuser an den Stadtrand verdrängt ...doppelt so teuer...weitere Wege... längere Fahrzeiten... triste Betonklötze.
-"Wie weit ist es schon gekommen?" "Was können wir erreichen, wenn wir zusammenhalten?" "Was müssen wir als nächstes tun?" Konkret: "Wir gründen jetzt eine Bürgerinitiative ..."
       5.4.6.) Die Situation mag sehr schwarz aussehen. Aber wer zu schwarz malt, verängstigt die Freunde.

Fassen Sie das Flugblatt so ab, dass es ermuntert und ermutigt.
5.4.7.) An die Solidarität appellieren! "Zusammenhalt macht stark!"
5.4.8.) Sie haben das Flugblatt nun geschrieben. Das Flugblatt muss leicht lesbar sein: Korrigieren Sie es nun nach folgenden Regeln: Fremdworte in Klammern hinter das deutsche Wort setzen.
Nicht mehr als einen Nebensatz. Am besten: Nur Hauptsätze. Kein gestelzter Stil. Dem Volk "aufs Maul" schauen. (Die V olkssprache ist prima!) Plastische Worte. Jeder Satzanfang soll mit einer neuen Zeile beginnen. Viele Absätze. Keine Angst: Die Leute lesen doch viel: Aber nur, wenn es gut lesbar ist. Nach Presserecht muss das Flugblatt am Schluss die Adresse des Verantwortlichen enthalten.

5. 4. 9.) Lesen Sie den Flugblatttext einzeln zwei bis drei Personen vor. Ist es verständlich? Kommt es an? Haben sie Kritik? Gibt es Ergänzungen? Beobachten Sie die Gesichter - sie sagen meist mehr als Sätze.
5.5.) Die Gründungsgruppe trifft sich kurz und verabschiedet das Flugblatt.
5.6.) Das Flugblatt drucken. Man braucht der Druckerei nur die Schwarz-Weiß-Vorlage zu geben. Offset-Druck ist nicht teuer. Oder kopieren.

6.) Das Verteilen von Flugblättern.
Im Stadtviertel, auf der Strasse, in der Bahn:
1. Methode: Die Mitglieder der Gründungsgruppe verteilen das Flugblatt - mit Familie, Freunden, und Bekannten - abends in die Briefkästen des betroffenen Stadtviertels. Noch besser, aber zeitaufwendiger ist es: In jedem Haus klingeln und dem Hausbewohner das Flugblatt mit einigen freundlichen kurzen Sätzen in die Hand drücken.
2. Methode: Ihr stellt euch zu zweit oder zu dritt an belebten Plätzen oder vor beliebten Kaufläden und bietet jedem Passanten das Flugblatt an. Flugblattverteilen ist legal und fällt unter der Meinungsfreiheit in Deutschland. Keiner kann das verbieten. Nützlich beim Verteilen könnte auch ein kleiner Informations-Tisch sein, auf dem der Name der Initiative mit großen Buchstaben und weiteres Info-Material draufsteht. Ihr braucht nicht scheu sein beim Verteilen, ihr bereichert eure Gemeinde.
3. Methode: Verteilen in Busse und Straßenbahnen: Ihr geht in die Busse oder Straßenbahnen hinein und lauft durch die Gänge und bietet jedem ein Flugblatt an. Viele sitzen gelangweilt in den Bahnen und freuen sich über eine Abwechslung und ein lesenswertes Flugblatt. Wenn ihr mutig seid, könnt ihr auch die zentralen Aussagen des Flugblatts laut wie ein Marktschreier ankündigen. Das schafft Aufmerksamkeit.
2 . Medienwirksamkeit
Pressekonferenz: Einer geht mit dem Flugblatt zur Presse und/oder zum Lokalradio und bittet um eine Ankündigung, oder verschickt das Flugblatt per E-Mail. Die Presse kann zur ersten Veranstaltung oder auch am Tag nach der Gründung der Bürgerinitiative zur Pressekonferenz eingeladen werden. Manchmal kommt das Medienecho nicht ganz wie geplant zurück. Eine gute und klare Selbstdarstellung – mit Problem, Lösung, und Zielsetzung - ist von Vorteil.
3. Und so kann es weiter gehen...
Netzwerke bilden: Sie haben eine Bürgerinitiative gegründet – nun können Sie die Unterstützung und Erfahrung anderer Leute und Bürgerinitiativen brauchen. Melden Sie sich bei anderen Initiativen oder lokalen Vereinen! So kann sogar ein regionales Netzwerk aus mehreren Initiativen entstehen, die sich gegenseitig unterstützen, z.B. per Internet.
Aufmerksamkeit erhalten
- Zeitungsartikel schreiben – z.B. in einer Online
Bürgerzeitung wie bz.koeln.de, wo jeder über
regionale Ereignisse berichten darf – am besten
mit einem Link auf eine eigene Internetseite.
Eine Internetseite bietet eine Selbstdarstellung nach Wunsch. Die Webseite kann ganz einfach sein! Hier kann zuerst der Inhalt des Flugblattes stehen sowie wichtige Kontaktdaten. Später können neue Informationen wie z.B. Zeitungsberichte eingefügt werden.
Die Presse auf dem Laufenden halten, und sich an das Lokalradio wenden
Weiter Informieren:
Nachbarschafts-Feiern organisieren, auf Flohmärkten informieren... lokale Unterstützung fördern und Kontakte knüpfen!

www.nabis.de